2021

Am Ende des Jahres 2019 habe ich mich gefragt, was 2020 uns wohl bringen kann. Niemals habe ich mir vorgestellt, was dann tatsächlich passiert ist.

Dass ich heute als Ratsfrau im Rat der Stadt Essen sitzen würde, das war vor einem Jahr schlicht nicht auf meiner Agenda.

Dass ein Virus unser Leben so sehr auf den Kopf stellen würde? Wäre ich im Traum nicht drauf gekommen.

Dass Computerprogramme, wie Zoom, Jitsi, GoToMeet, WebEx und noch einige mehr einen guten Teil meiner Arbeits- und Freizeit bestimmen würden, konnte ich nicht ahnen. Ich wusste nicht Mal, dass es diese Programme alle gibt. Videokonferenzen waren was für seltene Ausnahmesituationen. Man skypte vielleicht privat mal ab und an.

Dass ich meinen Job mal zu 99% von zu Hause aus erledigen könnte, war ein Traum, der nicht in erreichbarer Distanz erschien. Jetzt ist das ganz normal.

Mein Homeoffice ist schon seit Monaten darauf ausgelegt, stundenlang vor einer Kamera zu sitzen. Mit einem tollen Bürostuhl, für den ich soviel Geld ausgegeben habe, weil das Sitzen auf dem alten Küchenstuhl meinem Rücken echt nicht gut getan hat. Mit einem Vorhang als neutralem Hintergrund. Muss ja nicht jeder sehen, dass hinter mir auf dem Ergometer schon wieder mal ein Pullover trocknet. Und schließlich, wer weiß denn schon, wann die Geschäftsführung per Video zu mir nach Hause kommt? Sowas passiert heutzutage halt einfach.

Dafür kommt man ja auch in viele andere Zuhauses. Ich weiß jetzt, wer seine Bücher nach Größe sortiert, wer nach Farben, wer da eher die Freestylerin ist. Ich weiß, wer auch gern bei Ikea einkauft und wer das beste WLAN in der Küche hat.

Ich weiß sogar, wie es bei meinem Lieblingsschauspieler im Kleiderschrank aussieht. Er hat ein Tonstudio darin installiert. Homeoffice halt. Ok…ich vermute, er hat sich dann wohl einen neuen Kleiderschrank gekauft, den hat er nicht gezeigt…

Kinder bei der Arbeit sind normal geworden. Das finde ich klasse. Mein großer Respekt gehört den jungen Eltern, die Homeoffice und Homeschooling unter einen Hut bringen mussten. Eine echte Kraftanstrengung. Aber vielleicht wäre es eine gute Sache, mal drüber nachzudenken, wie Familie und Job auch vereinbar sein können, ohne dass dafür alle räumlich getrennt sein müssen. Könnte ja sein, dass wir das noch mal wieder brauchen.

Ich bin wild entschlossen, die 60% meiner Arbeitszeit, die ich auch in der Zeit nach der Pandmie im Homeoffice arbeiten darf, auszunutzen.

Aber erst mal muss dafür ja die Pandemie vorbei sein. Ich finde es auch schwer, mir vorzustellen, dass unser Leben danach wieder einfach so wird, wie davor.

Denn wir gehen nun ins 21. Jahr des 21. Jahrhunderts. Ich wünsche mir, dass dieses DAS Jahr wird, in dem wir endlich dort ankommen, die Herausforderung annehmen, nach vorn zu schauen. In dem wir anfangen, die Welt so zu gestalten, dass wir sie unseren Kindern und Enkeln mit gutem Gewissen zum weiter Bewohnen überlassen können.

Dieser Silvesterabend war ein guten Anfang, Dinge ab jetzt anders zu machen.

Um 00:30 Uhr waren die Knaller aus den Vorjahren offenbar endgültig aufgebraucht. Es war Ruhe in Essen. Das hat sonst immer mindestens dreimal so lange gebraucht.

Heute Morgen werden die Straßen nicht vollkommen vermüllt sein, die Feinstaubbelastung wird nur einen Bruchteil des Vorjahresniveaus erreichen.

Der Stimmung hat das keinen Abbruch getan. Man kann sich auch mit einer Wunderkerze in der Hand prima von Haus zu Haus ein frohes neues Jahr wünschen.

Wir haben jetzt ein Fünftel des 21. Jahrhunderts bereits hinter uns. Und ein Fünfzigstel des dritten nachchristlichen Jahrtausends.

Wahnsinn…

Nach ein paar zehntausend Jahren haben wir Menschen es geschafft, die Erde komplett zu bevölkern. Und mit toter Masse zu überziehen. Seit ganz kurzer Zeit, gibt es mehr menschengemachte Masse auf dem Planeten, als alles Leben zusammen wiegt.

Wir nennen das neue Erdzeitalter Anthropozän. Das Zeitalter der Menschen. Es hat endgültig begonnen.

Unsere große Aufgabe für die nächsten Jahrzehnte und Jahrhunderte ist es nun, dass wir Menschen dafür sorgen, dass das Anthropozän nicht zum Desaster für uns Menschen wird.

Denn wir haben den Planeten zwar gestaltet. Aber es ist nicht gut.

Wir müssen es besser machen.

Die Menschheit ist all die tausende von Jahren davon angetrieben worden, es besser zu machen. Auch wenn mancher Weg, der beschritten wurde, viel Leid erzeugt hat. Das Ziel und die Absicht war immer, etwas zu erschaffen.

Das wird auch uns und unsere Kinder weiter antreiben.

Aber wir haben heute das Wissen um alle die Wege, die in der Vergangenheit nicht funktioniert haben. Und wir wissen, welche Wege wir gehen müssen. Das unterscheidet uns von den Menschen, die vor tausend Jahren gelebt haben. Es unterscheidet uns sogar von den Menschen, die vor hundert Jahren gelebt haben.

Und wenn 2020 uns Eines gelehrt hat, dann, dass wir Dinge rasend schnell verändern können, wenn wir wollen. Und dass wir als Menschheit mit unserem Wissen unglaublich mächtig sind.

In dem Sinne…auf an die Arbeit!

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