„Ein Krankenhaus zu schließen ist eine hochemotionale Sache“…

meint Dr. Jochen Werner, der Ärztliche Direktor des Uniklinikums in Holsterhausen

Das Zitat stammt aus einem Bericht von Radio Essen vom 12.09.2019, ist also fast ein Jahr alt.

Dieser hochemotionale Fall ist nun in Essen eingetreten.

Die Contilia-Gruppe hatte die Absicht, die Krankenhauslandschaft im Essener Norden neu zu sortieren, indem drei Häuser geschlossen werden sollen und dafür ein hoch modernes Krankenhaus neu errichtet werden sollte.

Das Grundstück für den Neubau steht bereit, der Förderbescheid des Landes ist erteilt.

Aber nun macht die Contilia einen Rückzieher beim Neubau, nicht jedoch bei der Schließung der drei alten Standorte.

Und Essen steht Kopf!

Der Zeitpunkt für dieses Fiasko könnte unglücklicher nicht sein. Wir sind im Wahlkampf, die Kommunalwahl steht in zwei Wochen an.

Für Essen mit seiner sehr speziellen Stadtstruktur und seiner sehr speziellen Krankenhausstruktur (gut erläutert im Bericht oben) ist nun eigentlich der Augenblick der Fachleute bekommen, nicht der Politiker.

Politiker können keine spezialisierten Krankenhäuser betreiben. Die meisten Politiker sind nicht mal Mediziner und können inhaltlich nicht viel dazu beitragen, wie in diesem ungeplanten Fiasko nun die Stategie einer guten Lösung aussehnen kann.

Das nötige Szenario können aber die Betreiber der Essener Krankenhäuser sehr wohl entwickeln. Nur nicht in der Hektik und im Takt eines Wahlkampfes.

Dafür müssen Pläne entwickelt werden, Daten gewälzt, runde Tische und Konferenzen abgehalten werden.

Die Essenerinnen und Essener (vor allem die, die im Norden wohnen) müssen den Menschen, denen sie seit Jahren ihre Gesundheit anvertrauen, dafür etwas Vertrauen entgegen bringen.

Es geht hier nämlich auch darum, eine langfristig tragfähige Lösung zu finden. Und die wird auch, aber nicht ausschließlich (und nicht mal wesentlich) davon bestimmt sein, wo das dicke Geld mit Gesundheit verdient wird.

Auch das Vertrauen der Patientinnen und Patienten, deren besondere Bedarfe, und sogar die Frage, wo ein expansionsermöglichendes Grundstück zur Verfügung steht, sind wichtige Faktoren.

Und nur, weil sich offenbar ein Player im Essener Gesundheitssektor zurück zieht, heißt das noch lange nicht, dass die anderen das auch tun.

Ich glaube, dass unser Oberbürgermeister uns als Stadtgesellschaft in diesem Fall einen Bärendienst erwiesen hat, indem er seinem Impuls, das Thema in den Wahlkampf zu ziehen, sogar fragwürdige Absichten zu erklären, nicht widerstanden hat.

Er hätte uns wesentlich besser geholfen, indem er die Emotionen beruhigt und Raum für Sachlichkeit geschaffen hätte.

Dass die Stadt, mit praktisch null eigenen Kompetenzen jetzt als Bauherr (das geht gar nicht so ohne weiteres, das Grundstück gehört ihr nicht und der Förderbescheid auch nicht) auftreten will ist nicht sinnvoll und wohl auch für die Zukunft nicht sehr tragfähig.

Hier wird mit den Ängsten von Menschen gespielt, es werden einfache Lösungen angeboten. Das ist Wahlkampf a la (tut mir leid, das so sagen zu müssen) Trump und Johnson. Das bringt vielleicht ein paar Stimmen, aber es bringt auch große Probleme nach der Wahl.

Da erscheint mir die Sachlichkeit der GRÜNEN, die die Dinge beim Namen nennt, auch wenn das den Menschen emotional nicht so nah ist, wie der Wunsch nach einfachen Lösungen, für die Zeit nach der Wahl der bessere Weg.

Ich vertraue in die Fähigkeit der Essener Stadtgesellschaft, sich in den Jahren nach dieser Wahl die sachlichen Optionen in Kooperation mit den Expert*innen für den Betrieb von Krankenhäusern in Essen anzuschauen und dann eine langfristig gute und tragfähige Lösung zu finden.

Und wenn man den Bericht oben liest, kann man wohl recht getrost davon ausgehen, dass diese Lösung mit sehr großer Wahrscheinlichkeit im Norden Essens liegen wird!

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