Heute ist Bundestagswahl.
Ein kurzer aber heftiger Wahlkampf ist gestern zu Ende gegangen.
Heute werden wir herausfinden, was die Menschen in diesem Land antreibt.
Wir werden sehen, wen sie wählen.
Mein Eindruck dieses Wahlkampfes ist, dass die unterscheidlichen Parteien versucht haben, Menschen in unterschiedlichen Gemütslagen abzuholen.
Der ganz rechte Rand des politischen Spektrums hat versucht diejenigen anzusprechen, die frustriert sind, denen das Leben grade viel zu kompliziert ist, denen die Zukunft egal ist, die lieber nur bis morgen denken.
Die Message war: Deine Mutlosigkeit ist valide. Die Welt ist schlecht, Deutschland ist kaputt und wir können jede anstrengende Veränderung an diesem Zustand ganz einfach umgehen. Wir werfen dich und Deutschland einfach „dem Markt“ vor die Füße. Der regelt das dann schon. Ach ja, und wir sperren uns hier ein und alle anderen Menschen, die nicht seit mindestens keine Ahnung wie vielen Generationen deutsch sind, sperren wir aus.
Den Krieg auf diesem Planeten überlassen wir mal einer Handvoll Diktatoren und Möchtegerndiktatoren. die managen das schon.
Ende der Message von weit rechts.
Der weit linke Rand des politischen Spektrums ist eher leise.
Radikaler Pazifismus und Ideen davon, gesellschaftliche Gerechtigkeitsprobleme durch Umorganisation von Staaten zu lösen, dringen nicht durch. Linke Ideen helfen offenbar nicht so gut gegen Mutlosigkeit und Veränderungsunlust.
Die demokratischen Parteien haben diesmal einen sehr themenbasierten Wahlkampf geführt.
Klar haben alle versucht, ihre „Stammwähler“ anzusprechen. Aus vielen Gesprächen am Wahlkampfstand habe ich aber den Eindruck gewonnen, dass viele Menschen sich diesesmal gefragt haben, ob das Programm hinter der Wahlkampflinie ihrer Stammaprtei noch trägt. Und so einige haben gesagt, dass sie diesesmal zum erstem Mal eine andere Partei wählen wollen.
Ich stelle mir vor, dass wir bei den Wahlanalysen später am Tag und in den nächsten Tagen Verschiebungen sehen werden. Egal, wie sich die Sitze hinterher verteilen, ich vermute, dass alle demokratischen Parteien, die den Einzug in den Bundestag schaffen werden eine signifikante Anzahl Menschen zu ihren Wähler:innen zählen, die bisher anders gewählt haben.
Insgesamt waren sowohl von Seiten der meisten Parteien als auch von dem Wählenden eher die aktuellen Probleme das Thema des Wahlkampfes. Wenige Menschen wollten über die Chancen, die vor uns liegen sprechen.
Was die aktuellen Probleme sind, darüber sind sich fast alle Menschen einig.
Aber die Frage, wie wir damit umgehen sollen, die wird sehr uneinheitlich beantwortet.
Dabei ist ein Faktor oft der grundsätzliche Ansatz, ob wir die großen Probleme als vernetzte Herausforderung betrachten, oder ob wir für jedes Thema eine eigne Antwort suchen wollen.
Mein ganz persönlicher Eindruck ist, dass es einer großen Zahl der Wählenden an einem positiven Bild der Zukunft fehlt, das gleichzeitig einen Handlungsrahmen und einen Entscheidungsrahmen für die Politik der nächsten Jahrzehnte geben kann.
Sehr viele Menschen haben offenbar keine Vorstellung davon, wie die Welt in 20 Jahren funktionieren wird. Und auch nicht davon, wie sie aussehen wird.
Schlimmer noch, viele haben nicht mal ein positives Bild davon, was in unserer heutigen Welt gut ist.
Dabei ist das die Welt, die wir, die heute lebenden Menschen uns geschaffen haben. Für nichts davon sind die Menschen verantwortlich, die zukünftig leben werden. Und auch diejenigen die schon nicht mehr leben, tragen keine Verantwortung mehr.
Trotzdem empfinden viele der Menschen, mit denen ich gesprochen habe, diese Welt nicht wirklich als ihre Welt. Die meisten würden wohl vieles anders organisieren, als es jetzt ist.
Die allermeisten dieser Menschen werden heute nicht sehr rechts wählen, sondern demokratisch.
Mehr als 80% aller Stimmen werden voraussichtlich heute den demokratischen Parteien gegeben.
Das ist für mich dann auch die Aufforderung, nicht nur die Probleme und Aufgaben, die vor uns liegen zu lösen, sondern damit eine positive Idee von der Gegenwart und von der Zukunft zu erzeugen.
Ich finde es sehr ermutigend, dass so viele Menschen nicht über politische Strömungen reden und darüber, wie eine Richtung Macht über die anderen bekommt, sondern darüber, welche Lösungsansätze die unterscheidlichen Parteien haben.
Gleichzeitig finde ich es erstaunlich, wie unterscheidlich die Analyse des Hier und Jetzt ist.
Und erschreckend finde ich, wie schlecht das Hier und Jetzt gesehen wird.
Natürlich gibt es viele Menschen auf diesem Planeten, für die ihre Lebensrealität durch Armut, Kriesen und Kriege geprägt ist.
Aber das sind nicht wir hier. Unser Leben ist von Wohstand und Frieden geprägt. Und zwar für fast alle.
Auch wenn wir innerhalb unserer Gesellschaft Ungleichheiten haben, so leben wir doch alle in einer Demokratie, haben Meinungsfreiheit und Zugang zu einem gesunden Leben.
Selbst, wenn wir diesen Zustand teilen müssen, bleibt er dennoch intakt.
Unser größtes Problem scheint zu sein, dass wir nicht alle gleich reich sind und dass persönliche Sicherheit nicht für jede Person zu 100% gegeben ist.
Und dennoch leben wir hier in Deutschland, im westlichen Europa gewissermaßen auf einer Insel der Seligen.
Nirgendwo sonst auf der Welt sprechen so viele wichtige Parameter dafür, dass es gleich und sozial gerecht in der Gesellschaft des Landes und des Kontinetes zugeht, so Viele stark dafür, dass es uns gut geht.
Mein persönliches Resümee aus diesem Wahlkampf ist, dass es scheinbar zu wenige optimistische Menschen gibt und dafür zu viel Pessimismus, dass uns das Gefühl fehlt, Teil einer positiven Entwicklung zu sein.
Wir haben eine Gesellschaft, so frei, so demokratisch, so wohlhabend, dass wir die allerbesten Chancen haben, allen Herausforderungen unserer Zeit, denen von Heute und denen von Morgen wohlüberlegt zu begegnen.
Ich würde gern in den nächsten Jahren mit daran arbeiten, dass wir ein Gefühl dafür bekommen, in was für einen großartigen Gesellschft, in was für einer spannenden Zeit wir leben.
Mir gefällt dafür der Begriff „radikal optimistisch“. Den habe nicht ich erfunden. Und ich bin auch ganz sicher nicht allein dabei, radikal optimistisch zu sein.
Wir werden hier bei uns in NRW, in Essen in diesem Jahr noch eine Wahl, noch einen Wahlkampf zu bestreiten haben. Dann sind die Stadträte, die Bezirksvertretungen, die Kreistage neu zu wählen.
Guter Grund #RadikalOptimistisch zu sein und darüber zu reden.



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